Der Knöchel ist gebrochen, der Weg heißt nirgendwo, auf dem Display steht „Kein Dienst“. In solchen Momenten hält sich ein Satz besonders hartnäckig: Für 112 finde das Handy immer irgendein Netz. Das stimmt nur zur Hälfte.
Die Notrufverordnung verpflichtet Mobilfunknetzbetreiber, unter 112 auch Notrufe von Nutzern anderer Mobilfunknetze zu ermöglichen, sofern das Telefon technisch in diesem Netz verwendbar ist. In Deutschland sind Notrufe von Mobiltelefonen ohne betriebsbereite Mobilfunkkarte dagegen nicht zulässig.
Ein fremdes Netz kann helfen – aber keines herbeizaubern
Hat der eigene Anbieter an einer Stelle keinen Empfang, ein anderer Netzbetreiber aber schon, kann der 112-Notruf über dieses fremde Netz aufgebaut werden. Das ist der hilfreiche Teil der Regel.
Steht man jedoch in einem Tal, hinter einem Geländerücken oder tief in dichtem Wald und dort erreicht überhaupt kein verwendbares Mobilfunknetz das Telefon, gibt es auch für 112 keine Funkverbindung. Die Bundesnetzagentur weist selbst darauf hin, dass Topografie und dichte Wälder Signale erheblich dämpfen oder blockieren können.
Erst probieren, dann bewegen
Bei einem Notfall sollte 112 trotzdem zuerst versucht werden. Ein fehlender Datenzugang sagt noch nicht sicher, dass keine Sprachverbindung möglich ist. Schlägt der Notruf fehl und lässt der Zustand der verletzten Person es zu, kann ein zweiter Helfer an eine offene oder etwas höher gelegene Stelle gehen. Nicht sinnvoll ist es, dafür ungesichert einen Hang hochzuklettern oder den Verletzten allein zu lassen.
Für die Rettung zählt anschließend die Ortsangabe. GPS funktioniert grundsätzlich unabhängig vom Mobilfunknetz. Deshalb kann das Smartphone häufig Koordinaten anzeigen, obwohl kein Internet vorhanden ist. Offline gespeicherte Karten sind dafür deutlich hilfreicher als eine Karten-App, die im entscheidenden Moment erst Daten nachladen möchte.
Rettungspunkte sind unterschätzt
In vielen Waldregionen gibt es nummerierte Rettungspunkte. Rheinland-Pfalz unterhält beispielsweise 12.500 solcher Punkte; ihre Kennungen sind den Rettungsleitstellen bekannt. Wer an einem Rettungspunkt vorbeikommt, kann die Nummer fotografieren oder sich merken.
Das System ist nicht überall in Deutschland identisch organisiert. Gerade deshalb lohnt es sich, vor einer längeren Tour zu prüfen, ob es in der Region Rettungspunkte oder eine passende Offline-Karte gibt.
Ein Smartphone ist ein starkes Sicherheitswerkzeug. Es wird aber erst dann verlässlich, wenn man seinen Ausfall mitdenkt.
